NO KINGS

Vorwort zur Spielzeit 2026/27

Wir leben in einer Zeit der selbsternannten Könige. Der korrupten Autokraten.
Der Patriarchen. Der gefährlichen Systemsprenger, denen nichts
mehr etwas wert ist. Nur der Kitzel, über dem Abgrund zu balancieren.
Der Unterworfenen gibt es viele, der Opfer und der Ermordeten unzählige.
Ein langer Winter liegt bereits hinter uns. Eine Zeit der zunehmenden Kälte.
Der Lähmung und Ohnmacht. In Deutschland. In Europa. In der Welt.

The King is not dead

Schon immer ist das Theater Raum der Vielen. Ort des besonderen Blicks. Der eigenwilligen Perspektive. Der Lücke im System. Und doch haben die Könige auch die Bühne beherrscht. Wir haben uns an ihrer Macht abgearbeitet. An der Autorität. An Hierarchien. Und am Patriarchat. Auf der Bühne haben wir viele Könige sterben lassen. Und immer standen sie aus ihren Gräbern wieder auf. Das (Theater-)Spiel um die Macht hat nie seinen Reiz verloren. Die Könige bevölkern unsere Gegenwart mit ihrem zerstörerischen Geist und ihrer brutalen Gewalt. Sie verdunkeln die Zukunft mit Gesten der Härte. Mit Irrationalität und Anspruch auf das, was doch allen gehört.

MY FAVORITE SEASON IS
THE FALL OF THE PATRIARCHY

Damit ist jetzt Schluss. Das Theater schafft die Könige endgültig ab. Wir wollen nicht mehr mit ihnen leben geschweige denn sie lieben. Ein letztes Mal schauen wir uns den Körper des Königs an, um ihn dann zu verwandeln in etwas anderes.
Wir begeben uns noch einmal in den Bann seiner Anziehungskraft. Um dann in die Magie der Bühne einzutauchen, die die Körper transformiert. Wir spinnen die neuen Erzählungen von Pluralität, Weichheit und Widersprüchen. Gegenerzählungen gar.

LONG LIVE THE QUEENS

Das Theater hält das Wagnis aus und das Ungewisse. Das Theater sagt: Mutig! Und: Widerspruch! Wir brauchen keine Könige, die uns sagen, wo es lang geht. Wir brauchen keine Unfehlbarkeit. Wir lieben das Scheitern. Wir können nichts wissen und wollen uns vieles fragen. Und das ist auch Freiheit. Wir hören die Stimmen derer, die gerade nicht durchdringen. Wir sehen die Perspektiven solcher, die vom Rande schauen und nicht aus dem Zentrum der Macht agieren. Wir halten dem bösen Blick stand.

BE SAFE, BRAVE AND POWERFUL

Aber ganz so einfach wird es nicht gehen. Die Bühne ist schon immer der Ort der Gegenrede. Schauen wir in das Archiv des Widerstands: Wie geht das – kämpfen? Wie finden wir die Visionen der besseren Welt? Die Kraft zum Überleben? Den Mut zur Differenz? Die Geste der Solidarität? Und wohin richten wir unsere Wut und unsere Liebe? Wen schützen wir, wenn die Dunkelheit hereinbricht, und wer schützt uns? Unsere Kunst?

POWER TO THE PEOPLE

Resilienz und Renitenz und Hoffnung vertreiben den König. Wir sind antipatriarchal und queer und feministisch. Wir sind voller Vertrauen und Demut. Wir sagen Fürsorge und Empathie und Mitgefühl. Wir wollen sprechen und streiten und aushalten, was kompliziert ist. Mit Leidenschaft und Feingefühl, aber auch mit Aufruhr und Kampfgeist und Trotz. Wir wissen um das, was wir verlieren könnten, obwohl wir es noch nicht gewonnen hatten. Wir werden spielen. Und wir wagen es, eine Erzählung für die Zukunft zu erfinden. Vertrauen wir auf die transformative Kraft des Theaters, wieder einmal – wer soll die Welt verändern, wenn nicht wir? Und wann, wenn nicht jetzt!

Ihre
Kathrin Mädler
Intendantin
& das Team des Theaters Oberhausen