Oberhausener Theaterpreis

Jedes Jahr zu Beginn der Spielzeit vergibt der Freundeskreis „Theater für Oberhausen e.V.“ den traditionsreichen Oberhausener Theaterpreis an herausragende Leistungen am Haus.

Oberhausener Theaterpreis 2026

Bei der Verleihung im Anschluss an die zweite Vorstellung des Liederabends The King has left the Building am 27. September 2026, erhielt die Bühnenbildnerin und Ausstattungsleiterin Franziska Isensee den ersten Preis für das Raumkonzept während der Umbau-Spielzeit. Neben der ungewohnten Raumbühne sei auch das Container-Dorf mehr als eine Notlösung, so die Jury in der Begründung. „Dass die Sanierungsspielzeit so herausragend geklappt hat, sei zu einem bedeutenden Teil das Verdienst von Franziska Isensee und der Oberhausener Gewerke.“ Bei der Verleihung wurden außerdem die Ensemblemitglieder Nadja Bruder und Philipp Quest mit dem zweiten und dritten Preis ausgezeichnet. Die Regisseurin Nele Schillo erhielt den Günther-Büsch-Nachwuchs-Preis für ihre Inszenierung von STAUBFRAU, in der sie eindrucksvolle Bilder für ihre Anklage gegen patriarchalische Strukturen gefunden habe, so die Jury. Das Theaterpublikum wählte Jens Schnarre zum beliebtesten Schauspieler der Spielzeit.

Alle Begründungen:

Dotiert mit 3.000 Euro, gestiftet von der EVO Energieversorgung Oberhausen

Der 1. Preis des Oberhausener Theaterpreises 2026 geht an
Franziska Isensee, Bühnenbildnerin und Ausstattungsleiterin

Franziska Isensee ist als Leiterin der Ausstattung verantwortlich für das grundlegende Konzept der Raumbühne, auf und in der das Theater Oberhausen die gesamte Saison über gespielt hat. Das hat wunderbar funktioniert, auf verschiedene Weise – oft mehr, mal weniger immersiv – war das Publikum Teil des Geschehens. Gleich zu Beginn, bei der Uraufführung von Noah Haidles Stück „Menschliches Repertoire, wurde die Raumbühne zum Theaterhimmel mit einem Loch in der Mitte. Hier erschienen die Toten und konnten auf das Geschehen auf der Erde herab blicken. Der Preis ist nicht nur als Auszeichnung für die konkrete Arbeit der Bühnenbildnerin zu verstehen, sondern auch als Anerkennung für alle Gewerke, die das Spielen unter ungewöhnlichen Umständen und viele faszinierende Aufführungen möglich gemacht haben.

Ebenso ist der Container vor dem Schauspielhaus für die Jury bemerkenswert, den Franziska Isensee mit ihrem Team als „Ministerium gegen die Einsamkeit“ gestaltet haben. Das ist weit mehr als eine Notlösung in der Umbauzeit, sondern ein sichtbares Kommunikationszentrum in der Baustelle. Dass die Sanierungsspielzeit so herausragend geklappt hat, ist zu einem bedeutenden Teil das Verdienst von Franziska Isensee und der Oberhausener Gewerke.

Begründung der Jury von Stefan Keim

Dotiert mit 2.000 Euro, gestiftet von der WBO GmbH

Der 2. Preis des Oberhausener Theaterpreises 2026 geht an
Nadja Bruder, Schauspielerin

Was bleibt von einer Spielzeit? Auf jeden Fall persönliche Erinnerungen an Inszenierungen, an Schauspielerinnen und Schauspieler, vielleicht auch an Bühnenbilder, aber vor allem an kurze Augenblicke, die sich im Gedächtnis festsetzen und einen fortan begleiten. Momente, wie sie Nadja Bruder dem Oberhausener Theater in der vergangenen Saison unzählige Male geschenkt hat.

Hoffnungsvoll und furchtsam, selbstbewusst und unsicher, mutig und verstört, all diese so widersprüchlichen Adjektive beschreiben Nadja Bruders Darstellung der jüngsten der vier Fanfarenspieler:innen in Noëlle Haeselings »Fanfaren!«. In jeder Szene von Andreas Widenkas Uraufführungsinszenierung offenbart sie eine andere Facette ihrer Figur. So entsteht ein komplexes Porträt einer jungen Frau, die ihren Platz in einer von Macht und Missbrauch geprägten Welt sucht und schließlich die Kraft findet, aus dem Teufelskreis männlicher Gewalt auszubrechen.

Ein Teufelskreis, in dem auch Karl Moor, der tragische Protagonist aus Schillers »Die Räuber«, gefangen ist … allerdings in einer ganz anderen Weise. So einen Karl, wie ihn Nadja Bruder in Lisa Nielebocks Inszenierung verkörpert, hat man zuvor noch nicht gesehen. Dieser androgyne junge Mann mit schwarzem Hoodie und gebeugten Schultern ist kein wilder Stürmer und Dränger. Bruder entdeckt in dieser Figur einen Bruder im Geiste Hamlets, der jeden Halt verliert und auf Gewalt nur mit Gewalt reagieren kann. Besonders Karls Ratlosigkeit bleibt in Erinnerung und damit die Mahnung, einen anderen Weg zu gehen. Einen Weg, den Nadja Bruder uns in »Fanfaren!« gewiesen hat.

Begründung der Jury von Sascha Westphal

Dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet von der Firma Nockmann und Gerstberger 

Der 2. Preis des Oberhausener Theaterpreises 2026 geht an
Philipp Quest, Schauspieler

Seit der Spielzeit 2022/2023 ist Philipp Quest Mitglied des Ensembles im Theater Oberhausen. Philipp Quest hat in der letzten Saison an 4 Produktionen mitgearbeitet: „Sankt Falstaff“, „Die Räuber“, „Eine perfekte Hochzeit“, „Brokeback Mountain“. Die Rollen in den beiden letztgenannten Inszenierungen geben schließlich den Ausschlag für den heutigen Preis.

 „Eine perfekte Hochzeit“ von Mathew Lopez zeigt schon von Beginn an, dass nicht alles reibungslos verlaufen wird.  Je weiter der Abend fortschreitet, sich ein Desaster nach dem anderen ereignet und das Chaos immer größer wird, gibt Charlie, Partner der College-Freundin der Braut und eigentlich unbeteiligter Begleiter, seiner Figur eine unendliche Harmoniebedürftigkeit. Im Gegensatz zu dem Geschrei der anderen Gäste, versucht er mit leisen Tönen auf die aus dem Ruder laufende Stimmung einzuwirken. Wunderbar verbleibt er in seiner defensiven Haltung, egal was um ihn herum passiert. Philipp Quest hat Charlie eine Tiefe verliehen, die über eine normale Boulevard-Komödie hinausgeht. Nach der spritzigen Komödie kam der radikale Wechsel hin zu einem der berührendsten Dramen der letzten Spielzeit.  Auch in „Brokeback Mountain“ nach dem Roman von Anni Proulx verkörpert Philipp Quest den eher ruhigen und besonnenen Ennis, ganz das Gegenteil seines draufgängerischen und lauten Freundes Jack.  Zwei Schafhirten, die in der Einsamkeit ihre Gefühle füreinander entdecken und doch um die Unmöglichkeit ihres Verhältnisses wissen. Quest zeigte uns einen Ennis, der in einer rauen, homophoben Welt gelernt hat, seine Gefühle tief in sich zu vergraben. In diesen beiden starken Rollen hat Philipp Quest seine Figuren sehr glaubwürdig und authentisch dem Zuschauer nahegebracht.

Begründung der Jury von Arnold Hohmann

Der Günther-Büsch-Nachwuchspreis 2026 geht an
an Nele Schillo, Regisseurin

Begründung der Jury von Dietmar Zimmermann

Das war mutig: Schon kurz vor Beendigung ihres Regiestudiums an der Folkwang Universität der Künste nahm sich Nele Schillo am Theater Oberhausen einer der komplexesten literarischen Kompositionen an, die die junge Dramatik in den letzten Jahren hervorgebracht hat: Sie inszenierte Maria Milisavljevićs „Staubfrau“, eine radikale feministische Poesie in Form eines Langgedichts. Zwischen Reflexion und Anklage erzählt das Drama von Femiziden, häuslicher Gewalt und anderen Formen männlicher Gewaltausübung, von toxisch-narzisstischem Verhalten bis hin zum Mord.

Die elliptische Struktur von Milisavljevićs zwischen Lyrik und Aggression mäandernder Textfläche stellt die Regie vor große Herausforderungen. Schillo, die den Text auf drei überzeugende Darstellerinnen verteilt hat, lässt der Poesie und dem literarischen Anspruch des Stücks Raum und erhebt gleichzeitig nachdrücklich Anklage gegen patriarchalische Strukturen in der Gesellschaft und in der Rechtsprechung. Dabei findet sie eindrucksvolle Bilder, die auch den archaisch anmutenden Elementen des Langgedichts Rechnung tragen.

Die Mutprobe jedenfalls hat Nele Schillo glänzend bestanden. Bei Milisavljević heißt es: „Erinnert euch, dass Zukünfte nur wachsen in … den Herzen derer, die keine Angst haben.“